Billigflüge: Soziale Gerechtigkeit für Kleinverdiener?
CAA-Studie: Nicht die unteren, sondern die oberen Einkommensklassen profitieren am meisten
Von: @-&lt;[ @ufgeflogen ]&gt;- <2004-11-02>

Haben Sie auch schon das Argument gehört, Billigflüge müssten nach Kräften gefördert werden, weil sie auch Kleinverdienern das Vergnügen einer Flugreise ermöglichten - und damit der sozialen Gerechtigkeit dienen? Die britische Regierung benutzt dieses Argument jedenfalls, um an zahlreichen Flughäfen Ausbaupläne zu rechtfertigen. Und auch hier taucht ab und zu das Argument auf, Fliegen dürfte nicht teurer werden (z.B. durch eine Kerosinsteuer), weil sich dann die kleinen Leute keine Urlaubsreise mehr leisten können.

Sind Billigflüge also eine Art "soziale Maßnahme" für Kleinverdiener? Im Gegenteil, zumindest in England, berichtet die "Times": nicht etwa die ärmeren Bevölkerungsschichten sind dort für den Boom der Billigflieger verantwortlich, sondern Gut- und Topverdiener , die die billigen Flüge für zahlreiche Kurztrips ins Ausland nutzen. Kleinverdiener fliegen nur sehr wenig - oder gar nicht.

Nach einer von der britischen CAA (Civil Aviation Authority) vorgelegten Statistik haben die beiden "unteren" sozialen Gruppen (ungelernte Arbeiter, Empfänger staatlicher Leistungen) in England einen Anteil von 27% (!) an der Bevölkerung, aber nur 6% Anteil an den Billigflügen. Die beiden Gruppen am oberen Ende der sozialen Hierarchie, also "Besserverdiener" (höher qualifizierte Angestellte) und "Topverdiener" (wie etwa höhere Manager) machen in England 24% der Bevölkerung aus, haben aber 40% der Billigflüge in Anspruch genommen.

Am Flughafen London-Heathrow betrug das Duchschnittseinkommen der "Freizeitflieger" £54,000 (1£ entspricht ca. 1,45€). Selbst in London-Stanstedt, wo es praktisch nur Billigflüge gibt, liegt das Durchschnittseinkommen der Fluggäste bei £47,000.

Die Billigfluggesellschaft EasyJet bestätigte, dass der rasante Umsatzanstieg durch Menschen mit hohen verfügbaren Einkommen angetrieben wird, die oft Dutzende Reisen im Jahr unternehmen. "Wir haben mindestens 1000 Kunden, die jede Woche von London zu ihren Ferienhäusern in Nizza, Malaga, Palma und Barcelona fliegen", sagte ein EasyJet-Sprecher. Es sei eine Fehleinschätzung, dass vornehmlich sozial schwächere Bevölkerungsschichten mit den Billigfluggesellschaften fliegen. Die Parkplätze an den Flughäfen seien voll mit teuren Autos wie BMW und Mercedes.

Nach einer Regierungsstatistik haben mehr als 177000 britische Haushalte Zweitwohnsitze im Ausland (eine Steigerung um 14% seit 2002) und fliegen im Durchschnitt sechs Mal im Jahr dorthin. Dagegen fliegt die Hälfte der Bevölkerung überhaupt nicht, und 25% machen höchstens eine Auslandsreise im Jahr.

Nach Aussage von John Stewart, Vorsitzender von ClearSkies (eine Organisation von Flughafenausbaugegnern), werden Flüge durch den Verzicht einer Steuer auf Flugbenzin mit rund £9 Milliarden subventioniert - eine Subvention, die überwiegend den Reichen zugute komme. Stewart stellt auch die Aussage der britischen Regierung in Frage, dass der massive Ausbau der Flughäfen notwendig sein, damit die Wirtschaft im Ausland Geschäfte machen kann. Freizeitflüge hätten eine mehr als dreimal so hohe Zuwachsrate zu verzeichnen wie Geschäftsreisen. Im letzten Jahr wurde erstmals die Zahl von 200 Millionen Flügen übertroffen, davon 77% Freitzeitflüge.

Für Deutschland liegen solche Statistiken wie die der CAA nicht vor (wer sollte sie auch machen?). Doch auch hier dürfte es nicht so viel anders sein wie in England : wer mit wenig Geld über die Runden kommen muss oder arbeitslos ist, hat andere Sorgen, als zum Wochenende mal eben zum Spass oder zum Einkaufen nach London, Paris oder Madrid zu jetten. Dass Fliegen beliebig billig sein muss, damit auch arme Leute ins Ausland reisen können und so die soziale Gerechtigkeit gefördert wird, gehört sicher auch hier ins Reich der Fabel.



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die CAA (Civil Aviation Authority), ist eine unabhängige Regulierungsstelle ("independent aviation regulator"), die für verschiedenste Bereiche des Luftverkehrs zuständig ist: Luftraumplanung und -Regulierung, Sicherheitsstandards (ohne die eigentliche Flugsicherung NATS); Regulierungsfragen im ökonomischen Bereich (für Flughäfen, Fluggesellschaften, Flugsicherung etc.), Verbraucherschutz im Luftverkehr, Untersuchungen im Umweltbereich und Beratung der Regierung. Schauen Sie mal rein!

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