FRA-Forum: Unser Flughafen-Forum
Studie von Prof. Greiser zeigt: Fluglärm macht krank!
Weltweit umfangreichste Studie wertet eine Million Daten aus
Von: @cf <2010-01-07>
Menschen, die Fluglärmbelastung ausgesetzt sind, haben ein deutlich höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dies zeigt eine neue Studie des Bremer Wissenschaftlers Prof. Greiser. Originalstudie jetzt verfügbar!

Eine neue Studie des Bremer Mediziners Prof. Greiser zeigt ein weiteres Mal: Fluglärm gefährdet die Gesundheit.

Menschen, die Fluglärm ausgesetzt sind - ganz besonders in der Nacht - haben ein deutlich höheres Risiko, wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen in einer Klinik behandelt werden zu müssen, als Menschen aus nicht belasteten Gebieten. Bei einer nächtlichen Fluglärmbelastung von 55 dB(A), bei der nach dem neuen Fluglärmgesetz die Nachtschutzzone beginnt, ist das Risiko für Herzinfarkt um 80% für Männer bzw.95% für Frauen erhöht. Für Schlaganfälle erhöhte sich das Risiko für Männer um 87% und für Frauen um 130%. Auch das Risiko für koronare Herzkrankheit ist in ähnlichem Maße erhöht. Die Risiko-Erhöhung beginnt schon bei deutlich niedrigerer Lärmbelastung, etwa bei 40 dB(A).

In seiner neuen Studie wertete Prof. Greiser die (anonymisierten) Daten von mehr als einer Million von gesetzlich Krankenversicherten aus, die im Umkreis des Flughafens Köln-Bonn leben - mehr als die Hälfte der dortigen Bevölkerung. Die Entlassungsberichte nach Krankenhausbehandlungen wurden mit der Fluglärmbelastung am Wohnort der Patienten in Beziehung gesetzt. Die vom Umweltbundesamt in Auftrag gegebene Studie ist die bisher weltweit umfangreichste Untersuchung dieser Art.

Weitere Auswertungen haben auch ein erhöhtes Krebsrisiko durch Fluglärm ergeben. So ist für Frauen das Risiko für Brustkrebs und Leukämie deutlich erhöht. Dies könnte durch Störungen im Immunsystens verursacht werden, die wiederum eine Folge gestörten Schlafs sind. Lang andauernde Schlafstörungen sind als Risikofaktor für Brustkrebs nachgewiesen.

Bereits im Jahr 2006 hatte Prof. Greiser eine ähnliche epidemiologische Studie rund um den Flughafen Köln-Bonn durchgeführt, bei der die Menge von Arzneimittelverordnungen für Versicherte gesetzlicher Kassen in Beziehung zu der Fluglärmbelastung der Patienten untersucht worden war. Damals hatte sich gezeigt, dass in fluglärmbelasteten Gebieten wesentlich mehr Medikamente zur Behandlung des Bluthochdrucks verordnet wurden als in ruhigen Vergleichsgebieten. Es ist daher nicht überraschend, dass in der Nachfolgestudie auch stark erhöhte Risiken für Herz-Kreislauf-Krankheiten gefunden wurden, die mit zu hohem Blutdruck einhergehen. Aber auch andere Krankheiten, wie Depressionen, wurden in fluglärmbelasteten Gebieten häufiger gefunden.

Die Ergebnisse sind im Prinzip auf andere Flughäfen mit ähnlicher Bevölkerungsstruktur und ähnlicher Lärmbelastung übertragbar. So müssten nach einer entsprechenden Abschätzung in Berlin 10 Jahre nach dem Ausbau des Flughafens Schönefeld mit etwa 5000 zusätzlichen Fällen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gerechnet werden.

Als Konsequenz aus seinen Studien fordert Greiser eine Verbesserung des Fluglärmgesetzes und bei Nachtflügen ein "sorgfältiges Abwägen von zusätzlichen, teilweise lebensbedrohenden Erkrankungen und dem wirtschaftlichen Nutzen".

Die Studie fand in den Medien große Beachtung und schaffte es sogar zur besten Hauptsendezeit ins ZDF "heute journal". Mehr (Links eventuell nicht beliebig lange verfügbar):

Die Original-Studien von Prof. Greiser finden Sie hier zum Download:

Prof. Greiser in Flörsheim

Am 7. Januar 2010 stellte Prof. Greiser in der voll besetzten Flörsheimer Stadthalle seine Studie vor. Die Zuhörer zeigten sich schockiert von den Ergebnissen. Sie sind grob (wegen der unterschiedlichen Fluglärmbelastung allerdings nicht exakt) auf die Region um den Frankfurter Flughafen übertragbar. Nach einer entsprechenden Schätzung könnte es laut Greiser durch den Fluglärm hier etwa 6000 Schlaganfälle, 14500 Erkrankungen der Herzkranzgefäße und 2500 Brustkrebsfälle zusätzlich geben. In einigen stark betroffenen Gebieten, z.B. Flörsheim, würde sich das Risiko durch den Ausbaufast verdoppeln. Greiser forderte eine deutliche Senkung der aktuellen Grenzwerte.

42 bis 46 Dezibel täglich müsse mit 5500 zusätzlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, rund 6000 zusätzlichen Schlaganfällen und 3000 zusätzlichen Brustkrebserkrankungen als Folge des Fluglärms gerechnet werden. Auf Wunsch der Flörsheimer Initiative rechnete Greiser die Belastung der Stadt am Main bis zum Jahr 2020 hoch - und prognostizierte eine Zunahme der Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 100 Prozent, der Zahl der Schlaganfälle um 150 Prozent und der Brustkrebsfälle um 200 Prozent.

Aus dem Publikum kam die Forderung, eine entsprechende Studie auch für die Rhein-Main-Region durchzuführen, um auch hier "harte Fakten" zu den Gesundheitsshäden durch den Fluglärm zu bekommen. Das Bündnis der Bürgerinitiativen unterstützt diese Forderung ebenso wie die Grünen im Landtag. Die LINKE im hessischen Landtag will einen netsprechenden Antrag im Lndtag einbringen. Für die Kommunen und das kürzlich gegründete überregionale Bündnis gegen die Änderung des Luftverkehrsgesetzes sagte Bürgermeister Jühe, dass man eine solche Studie unterstütze. Prof. Greiser könnte die Studie (wenn Krankenkassen und Kommunen die Daten liefern) innerhalb eines Jahres und für etwa 500000 Euro durchführen - gegen die sonstigen Kosten des Ausbaus von mehreren Milliarden wäre diese Summe ein Klacks und gut angelegt. Greiser versicherte den Zuhörern, dass er trotz eventueller "politischer Komplikationen" bereit wäre, die Studie durchzuführen: "Sie können auf mich zählen".

An der im Mai letzten Jahres vorgestellten Studie "Fluglärm und Gesundheit" der Stadt Frankfurt, nach der es keine Beeinträchtigung der Gesundheit durch Fluglärm geben soll, ließ Greiser kein gutes Haar: "Wissenschaftlich eine einzige Katastrophe".

Themen hierzuAssciated topics:

Gesund­heits­gefah­ren durch (Flug-)Lärm Herz-Kreislauf-Erkrankungen Lärmwirkungs-Forschung ?*? Erkrankungen durch Lärm Lärm und Gesundheit

Das könnte Sie auch interessierenFurther readings:
Gesundheits-begründete PFV-Einwendungen
Würde Ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit durch einen Flughafenausbau verletzt ?
Von: @PFV <2002-05-26>
   Mehr»
UBA: Nächtlicher Fluglärm kann krank machen
Studie zeigt: Nachtflugbetrieb stört gesundheitliches Wohlbefinden (PM vom 22.02.2007)
Von: @Umweltbundesamt (UBA) <2007-02-22>
Nächtlicher Fluglärm führt dazu, dass die Betroffenen häufiger den Arzt aufsuchen und die Ärzte diesen mehr Medikamente verschreiben. Dies hat eine neue epidemiologischen Studie des Umweltbundesamtes ergeben.   Mehr»
UBA: Fluglärm macht krank
Pressemitteilung vom 27.02.2010
Von: @Umweltbundesamt (UBA) <2010-03-01>
Die neue Studie von Prof. Greiser am Flughafen Köln/Bonn zeigt ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen durch Nachtfluglärm. Das Umweltbundesamt hat die Studie jetzt offiziell veröffentlicht    Mehr»
Bürger zunehmend kritisch gegenüber Flughafenausbau
Der Schaden durch Fluglärm ist weit höher, als von Fraport vorgerechnet
Von: @(BFu) <2003-02-20>
   Mehr»
Fluglärm-Klage von 17 Klägern vor der Entscheidung
Pressemiteilung vom 11.07.2004
Von: @IAGL - Institut zur Abwehr von Gesundheitsgefahren durch Lärm e.V. <2004-07-11>
   Mehr»
Klage gegen Fluglärm abgewiesen - Gesundheitsgefahren nicht berücksichtigt
Pressemitteilung vom 15.7.2004
Von: @IAGL- Institut zur Abwehr von Gesundheitsgefahren durch Lärm <2004-07-15>
   Mehr»
VGH Kassel: Klagen auf Schutz vor Fluglärm erneut gescheitert
Pressemitteilung vom 15. 07. 2004
Von: @Hessischer Verwaltungsgerichtshof <2004-07-15>
Der VGH Kassel hat wieder einmal eine Klage gegen den aktuellen Flugbetrieb am Frankfurter Flughafen abgelehnt. Die Kläger hatten ein Nachtflugverbot und die Einführung des CDA-Anflugverfahrens gefordert. Auch Entschädigungen oder Schallschutzmaßbahmen wurden vom Gericht abgelehnt.   Mehr»
UBA: Gutachten unterstreicht - Fluglärm belastet die Menschen
Pressemitteilung vom 10.12.2004
Von: @Umweltbundesamt <2004-12-10>
   Mehr»
ZRM: Fluglärm führt zu Gesundheitsgefährdungen
Pressemitteilung vom 22.07.2005
Von: @Initiative Zukunft Rhein-Main <2005-07-22>
Neue Erkenntnisse der Lärmwirkungsforschung belegen, dass nächtliche Lärmbelastung zu vermehrtem Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Bluthochdruck und Herzinfarkt führt - schon ab Werten von 50 db(A). Der aktuelle Trend zu mehr Nachtflügen ist vor diesem Hintergrund besonders kritisch zu bewerten   Mehr»
Erörterungstermin - Bericht vom 7.11.2005
Der Streit um das Jansen-Kriterium
Von: @cf <2005-11-07>
   Mehr»
Erörterungstermin - Bericht vom 8.11.2005
Jansen-Kriterium und nächtliche Lärmwerte
Von: @cf <2005-11-08>
   Mehr»
Nachtflugverbot - das Ohr schläft nie
Informationsveranstaltung der KAG zur Wirkung nächtlichen Fluglärms
Von: @cf <2006-01-18>
   Mehr»
Erörterungstermin - Bericht vom 11.11.2005
Privateinwender gegen Gutachter
Von: @cf <2005-11-11>
   Mehr»
100000 zusätzliche Erkrankungen durch Flughafenausbau
FAG stellt neues lärmmedizinisches Gutachten vor
Von: @cf <2006-09-11>
Nach einem neuen Gutachten wäre der geplante Flughafenausbau wegen der Zunahme von Lärm und Luftschadstoffen mit erheblichen gesundheitlichen Risiken für die Bevölkerung der Region verbunden.    Mehr»
Leben mit (Flug)Lärm - Neue Erkenntnisse der Lärmwirkungsforschung
Mit Prof. Peter Lercher, Universität Innsbruck
Von: @Stadt Mainz, ZRM <2008-05-28>
Am Mittwoch, den 28. Mai 2008 stellt Prof. Dr. med. Peter Lercher von der medizinischen Universität Insbruck, die neuesten Ergebnisse der Lärmwirkungsforschung vor.   Mehr»
RMI: Planfeststellungsbeschluss zum Flughafenausbau endgültig?
Stellungnahme des RMI (PM vom 15. Januar 2009)
<2009-01-15>
Das Rhein-Main-Instituts hält eine Anpassung des Planfeststellungsbeschlusses zur Reduzierung des nächtlichen Fluglärms für geboten und rechtlich möglich. Die schädlichen Wirkungen des Nachtfluglärms für die Gesundheit sind nachgewiesen   Mehr»
WHO: Niedrigerer Grenzwert für Nachtlärm
Neue "Leitlinien für die Europäische Region gegen Nachtlärm" veröffentlicht
Von: @cf <2010-01-15>
Die Weltgesundheitsorganisation Europa hat in ihren neuen Leitlinien den Grenzwert für nächtlichen Lärm auf 40 dB(A) abgesenkt.    Mehr»
Veranstaltung "Flughafen gesund, Region krank?" am 9. März 2010
Prof. Greiser kommt nach Rüsselsheim
Von: @Verein LAERM e.V <2010-03-02>
Welche Folgen hat der Fluglärm auf unsere Gesundheit? Am 9.3.2010 können Sie dazu in der Stadthalle Rüsselsheim mit Prof. Greiser und anderen Experten und Vertretern der Politik diskutieren.    Mehr»
Fluglärm und Gesundheit - Informationsveranstaltung in Groß-Gerau
Von: @Kreis Groß-Gerau <2010-04-22>
Bei einer gemeinsamen Informationsveranstaltung des Kreistags Groß-Gerau, der ZRM und der KAG wird Professor Greiser am Mittwoch, dem 5. Mai die Ergebnisse seiner Studien vorstellen.   Mehr»
ZRM legt Positionspapier zum Gesundheitsmonitoring vor
Pressemitteilung vom 22.09.2010
Von: @Initiative Zukunft Rhein-Main <2010-09-22>
Im Vorfeld der Anhörung des Hessischen Landtags zur Fluglärmbelastung in der Rhein-Main-Region unterstreicht die Initiative "Zukunft Rhein-Main" in einem Brief an die Landtagsabgeordneten die Dringlichkeit einer qualifizierten Gesundheitsstudie für die Region.   Mehr»
Universität Bern: Fluglärm erhöht Risiko für Herzinfarkt
Pressemitteilung vom 04.10.2010
Von: @Universität Bern, Prof. Matthias Egger <2010-10-04>
Je stärker der Fluglärm und je länger die Lärmbelastung, desto grösser ist die Gefahr, an einem Herzinfarkt zu sterben. Dies hat eine neue Studie der Universität Bern ergeben.   Mehr»
ZRM: Positionspapier "Studiendesign für Gesundheitsmonitoring im Rhein-Main-Gebiet
Von: @Initiative Zukunft Rhein-Main <2010-09-23>
Die Initiative Zukunft Rhein-Main hat gemeinsam mit renommierten Experten ein Studiendesign für eine Studie über die Auswirkungen des (Flug-)Lärms im Rhein-Main-Gebiet erstellt. Hier zum Download!    Mehr»
Nächtlicher Fluglärm: Er macht doch krank
Von: @Martin Kaltenbach, Christian Maschke Martin; Maschke, Christian <2011-12-02>
Die Datenlage verdichtet sich, dass Lärm zu vermehrtem Auftreten von Hypertonie, Herzinfarkt und Schlaganfall führt (Artikel im Ärzteblatt).    Mehr»
Die Bildrechte werden in der Online-Version angegeben.For copyright notice look at the online version.

Bildrechte zu den in diese Datei eingebundenen Bild-Dateien:

Hinweise:
1. Die Bilder sind in der Reihenfolge ihres ersten Auftretens (im Quelltext dieser Seite) angeordnet.
2. Beim Anklicken eines der nachfolgenden Bezeichnungen, wird das zugehörige Bild angezeigt.
3, Die Bildrechte-Liste wird normalerweise nicht mitgedruckt,
4. Bildname und Rechteinhaber sind jeweils im Dateinamen des Bildes enthalten.