Nachtruhe ist Menschenrecht
Kurzbericht vom 1. Christlich-sozialethischen Kongress Köln (CSKK) am 16. Sep. 2002
Von: @CF <2002-10-29>
<p>Auf dem 1. Christlich-sozialethischen Kongress "Nachtruhe ist Menschenrecht" am 16. September 2002 haben die beiden großen Kirchen in Köln zum ersten Mal gemeinsam eindeutig Position gegen nächtlichen Fluglärm bezogen und eine Kernruhezeit für den Flughafen Köln-Bonn gefordert.</p>&#10;&#10;<p>Auf dem Kongress sollten die verschiedenen Aspekte des Nachtflugs - Lärmwirkung und Gesundheit, Arbeitsplätze, Rechtsfragen, soziale und ethische Aspekte - beleuchtet und eventuell Lösungsperspektiven für den Konflikt aufgezeigt werden. Experten aus verschiedenen Bereichen - Kirche, Medizin, Wirtschaft, Recht - nahmen zur Nachtflugproblematik Stellung.</p>&#10;&#10;<p>&#160;</p>&#10;&#10;<p>Hier zunächst einige <b>Highlights</b> aus den Vorträgen der Referenten:</p>&#10;&#10;<dl>&#10; <dt class="br"><b>Der Theologe:</b></dt>&#10; <dd>&#10; <dl>&#10; <dt class="br"><b>Prof. Dr. Frank Crüsemann, Kirchliche Hochschule Bethel:</b></dt>&#10; <dd class="br"><i>"<b>Lärm ist Gewalt</b>"</i>. Er kann den gottgegebenen Rhythmus des Lebens bedrohen. Wie bei anderen Konflikten geht es auch beim Lärm um die <i><b>Zähmung der Gewalt mit den Mitteln des Rechts</b></i>. Der Staat muss seine Bürger vor Gewalt schützen, sonst verliert er seine Existenzberechtigung.</dd>&#10; <dd class="br"><i>"<b>Ruhe ist ein zentrales biblisches Heilsgut</b>"</i><br />&#10; Ruhe (nicht nur Stille, sondern auch unbedrohte Sicherheit) ist von Gott für die Menschen vorgesehen. Das Fehlen von Ruhe wirkt zerstörerisch für die Schöpfung und das Leben. Das Recht auf Ruhe ist eines der ersten sozialen Rechte und musste, in biblischer Zeit und später, immer wieder neu erkämpft werden, gegen oft übermächtige ökonomische Interessen.</dd></dl>&#10; </dd>&#10;&#10; <p>&#160;</p>&#10;&#10; <dt class="br"><b>Die Mediziner:</b></dt>&#10; <dd><dl>&#10; <dt class="br"><b>Dr. Alexander Samel, Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin, Köln</b></dt>&#10; <dd class="br">Es gibt Hinweise, dass Fluglärm krank macht, aber keine Beweise.<br />&#10; Wir verurteilen, dass interessierte Personen bzw. Organisationen unsere Zwischen-Ergebnisse für ihre Zwecke interpretieren und Forderungen an die Politik daraus ableiten.</dd>&#10;&#10; <dt class="br"><b>Priv.Doz. Dr. Christian Maschke, TU Berlin</b></dt>&#10; <dd class="br">Fluglärm kann die Gesundheit beeinträchtigen. <i><b>Der schädliche Einfluss von Lärm auf die Schlafqualität ist hinreichend durch wissenschaftliche Studien gesichert</b></i>, die DLR-Studie passt durchaus dort hinein. Deshalb sollte die Nachtruhe geschützt werden.<br />&#10; Eine langfristige Feldstudie ist erforderlich, um zu besser gesicherten Erkenntnissen über die Lärmwirkung zu kommen.</dd>&#10;&#10; <dt class="br"><b>Dr. Gerda Noppeney, Ärzteinitiative für ungestörten Schlaf Rhein-Sieg-Kreis</b></dt>&#10; <dd class="br"><i><b>Schlafstörungen sind</b></i> nach den Leitlinien der deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und internationalen ärztlichen Leitlinien <i><b>eine eigenständige, ernst zu nehmende Erkrankung</b></i>.<br />&#10; Deshalb müssen die Ursachen, z.B. nächtlicher Fluglärm, bekämpft werden: man muss nicht auf den durch Lärm verursachten Herzinfarkt warten!</dd>&#10; </dl></dd>&#10;&#10; <p>&#160;</p>&#10;&#10; <dt class="br"><b>Der Jurist:</dt>&#10; <dd><dl>&#10; <dt class="br">Prof. Dr. Dr. Jörg Berkemann, Bundesverwaltungsgericht Berlin</b></dt>&#10; <dd class="br">Die Frage, ob nächtlicher Lärm die Menschenrechte verletzt, ist vom Bundesverfassungsgericht noch nicht entschieden. Die Richter sind sehr vorsichtig, weil es nicht genügend gesicherte empirische Erkenntnisse gibt. Dennoch sollten <i><b>die Betroffenen klagen und den Weg durch die Instanzen gehen, wenn nötig bis zum Bundesverfassungsgericht</b></i></dd>&#10; <dd class="br"><i><b>Das Fluglärmgesetz ist 30 Jahre alt und beruht auf 40 Jahre alten Annahmen - das ist ein Skandal</b></i>. Andauernde soziale Konflikte wie der Verkehrslärm müssen in absehbarer Zeit gelöst werden.</dd></dl></dd>&#10;&#10; <p>&#160;</p>&#10;&#10; <dt class="br"><b>Der Wirtschaftswissenschaftler:</dt>&#10; <dd><dl>&#10; <dt class="br">Dr. Karl-Otto Schallaböck, Wuppertal Institut</b></dt>&#10; <dd class="br">Der Luftverkehr hat insgesamt nur einen sehr kleinen prozentualen Anteil an der Verkehrsleistung und keine hohe Beschäftigungswirkung. <i><b>Luftverkehr ist wichtig, so wie "das Salz in der Suppe": eine zu große Dosis davon ist schädlich</b></i> oder sogar tödlich. Die teilweise Entkoppelung zwischen Nutzern und Belasteten ist problematisch.</dd></dl></dd>&#10;&#10; <p>&#160;</p>&#10;&#10; <dt class="br"><b>Der WHO-Chef:</b></dt>&#10; <dd>&#10; <dl>&#10; <dt class="br"><b>Dr. Günter Klein, Direktor des Europäischen Zentrums für Umwelt und Gesundheit der WHO </b></dt>&#10; <dd><dl>&#10; <dt class="br">Vom Standpunkt der WHO:</dt>&#10; <dd class="br"><i><b>Nachtruhe ist Menschenrecht!</b></i></dd>&#10; <dt class="br">Zur menschlichen Bewertung von Lärm:</dt>&#10; <dd class="br">"<i><b>Nachtruhe ohne Lärm ist wie Hühnereier ohne Giftmüll</b></i>". Beides ist unter Menschen eine Selbverständlichkeit<br />&#10; "<i><b>Zunehmende Lärmsensitivität in der Öffentlichkeit ist kein Problem, sondern eine Errungenschaft</b></i>". </b></dd>&#10; <dt class="br">Zu Forschung und Wissenschaft:</dt>&#10; <dd class="br">Experimentelle wissenschaftliche Studien bereichern unser Wissen, aber sie ersetzen es nicht. Die Alltagserfahrung der Menschen muss berücksichtigt werden. "<i><b>Die Wissenschaft und das Leben sollten wieder zusammen geführt werden</b></i>". </dd>&#10; <dt class="br">Schadet Lärmschutz der Wirtschaft?</dt>&#10; <dd class="br">"Totschlagargumente sind destruktiv". Bei allen bisherigen Umweltverbesserungen ist das Killerargument "Arbeitsplätze" entkräftet worden. "<i><b>Kein Flughafen musste bisher schließen oder ist bankrott gegangen, weil nachts nicht geflogen wird oder Lärmschleudern nicht starten dürfen</b></i>". &#10;Anspruchsvoller Lärmschutz ist ein Element des bedeutendsten Wirtschaftsfaktors in Deutschland - dem Wirtschaftssektor Gesundheit. Investitionen und Innovationen auf diesem Gebiet stärken auf Dauer den Wirtschaftsstandort. </dd></dl>&#10; </dd></dl>&#10; </dd></dl>&#10;&#10; <p>Zu diesem Kongress gibt es auch =&gt; <a href="show-item:aFfM">einen Ausführlichen Bericht</a>.</p>&#10;
Themen hierzuAssciated topics:

Nachtflug-Beschränkungen Störung des Nachtschlafs Nachtflugverbot Schlafrhytmus Erkrankungen durch Lärm Störungen durch Lärm Lärm durch Nachtflüge Lärmbelastung Weltgesundheits-Organisation (WHO) Gesund­heits­gefah­ren durch (Flug-)Lärm Gesund­heits­ge­fah­ren durch Schall Lärmwirkungs-Forschung

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