Leipziger Ärzte fordern Nachtflugverbot am Flughafen Leipzig
Protest gegen Gesundheitsgefährdung durch geplante Nachtflüge
Von: @cf <2005-06-07>
Aus Sorge um die Gesundheit ihrer Patienten haben Ärzte in Leipzig Einspruch gegen den geplanten Ausbau des Flughafens Leipzig/Halle und die Einrichtung eines Nachtflug-Drehkreuzes für das Transportunternehmen DHL erhoben. Sie haben eine Unterschriftensammlung gestartet und fordern vom Regierungspräsidium ein Nachtflugverbot.

"Die von DHL geplanten 150 Starts und Landungen pro Nacht mit schweren Flugzeugen werden mehr als 75000 Menschen in ihrem Schlaf stören. Lärmschutzfenster könnten dies nicht verhindern. Es gebe keine Untersuchung, die die langfristige gesundheitliche Unbedenklichkeit einer Belastung dieser Größenordnung belegt", begründen die Ärzte ihren Protest. Sie fürchten, dass der Fluglärm auf Dauer bei den Betroffenen zu hohem Blutdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall und zu Depressionen führt. "Das darf nicht sein und ist unserer Meinung nach mit den eventuell entstehenden Arbeitsplätzen nicht zu rechtfertigen".

Die Ärzte zeigten sich besorgt über die Ergebnisse einer Studie, bei der die Arzneimittelverordnungen für BKK-Versicherte im Umkreis des Flughafens Köln analysiert wurden. Die Studie ergab, dass Patienten aus fluglärmbelasteten Gemeinden des Rhein-Siegkreises deutlich mehr Tranquilizer, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Antidepressiva, Mittel zur Behandlung des Bluthochdrucks und zur Behandlung von Herzkrankheiten verordnet bekommen, als Patienten aus Gemeinden, die keinem Nachtfluglärm ausgesetzt sind.

Um die Zumutbarkeit des Fluglärms zu rechtfertigen, werde von den Befürwortern des Projekts immer wieder eine Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) herangezogen, in der bei ausgewählten Probanden aus dem Umfeld des Köln-Bonner Flughafens keine signifikanten Gesundheitsstörungen durch Nachtfluglärm nachgewiesen wurden. Diese Studie enthalte jedoch schwerwiegende methodische Fehler, kritisiert der Bremer Epidemiologe Professor Eberhard Greiser in einem Gegengutachten.

Aufgrund des Protestes der 19 Ärzte aus Leipzigs Norden hat sich inzwischen auch die sächsische Landesärztekammer zu Wort gemeldet. Sie erklärt, "die Einhaltung der Nachtruhe hat gesicherte Bedeutung für die Gesundheitsprävention unserer Bevölkerung". Um die Menschen vor Schaden zu bewahren, müssten aktuelle Forschungsergebnisse zu Lärm und Schadstoffbelastungen (auch Feinstäube) unbedingt bei der Umsetzung des Flughafenausbaus berücksichtigt werden. Benötigt würden auch valide Studien zum vorbeugenden Gesundheitsschutz in der Region.

In Leipzig sollen von Mitternacht bis 1.30 Uhr 75 Maschinen landen und zwischen 4.30 Uhr bis 6.00 Uhr wieder starten. Die Menschen in dem besonders vom Fluglärm betroffenen Kursdorf sollen umgesiedelt werden. In der zweiten Fluglärmzone ist die Ausstattung der Häuser mit Schallschutzfenstern vorgesehen, in der dritten Zone muss die Bevölkerung bei geschlossenen Fenstern schlafen, dafür sollen Lüfter eingebaut werden. Die DHL soll eine unbegrenzte Nachtfluggenehmigung für alle Flugzeugtypen für 30 Jahre erhalten - es könnte also noch viel lauter werden als jetzt angenommen.

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