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W.U.T. fordert Gutachten zu Gesundheitsrisiken des Ausbaus vom Sozialministerium
Pressemitteilung vom 23.01.2006
Von: @Verein Wohnen und Umwelt im Taunus (W.U.T.) <2006-01-23>

Höheres Krebs- und Gesundheitsrisiko durch Ausbau?
W.U.T. fordert Gutachten des Sozialministeriums

Glashütten/Kelkheim: In einem offenen Brief hat der Verein Wohnen und Umwelt im Taunus e.V. Ministerin Lautenschläger vom hessischen Sozialministerium an die Pflicht zum Gesundheitsschutz und zur Gesundheitsvorsorge der Bevölkerung erinnert und die Erstellung verschiedener Gutachten zum Flughafenausbau gefordert. Anlass für dieses Schreiben sind Erkenntnisse aus der momentan laufenden öffentlichen Anhörung zum Flughafenausbau in Offenbach.

  • Die von Fraport im Verfahren vorgelegten lärmmedizinischen Parteiengutachten haben sich in der Anhörung als wissenschaftliche unhaltbar erwiesen, die Auswirkungen des Fluglärms auf Kommunikationsstörungen in Kindergärten und Schulen wurden von den Fraport-Gutachtern bagatellisiert.
  • Die in den Antragsunterlagen aufgeführten Daten hinsichtlich der zu erwarteten Fluglärmbelastungen sind systematisch zu niedrig angegeben – die Streuung der Abflugrouten, andere Steigprofile, abweichende Flugzeugmixe oder die Anflüge blieben unberücksichtigt. Neuere lärmmedizinische Studien weisen einen Zusammenhang zwischen Lärm und Gesundheitsauswirkungen (Herz-/Kreislauferkrankungen) nach.
  • Das Humantoxikologische Gutachten weist die vom Flughafen im Ausbaufall ausgehenden Schadstoffemissionen in einer Größenordnung aus, die den KFZ-Emissionen einer Großstadt entspricht. Bei einigen Schadstoffen muss im Ausbaufall mit einer Verdopplung gerechnet werden. In öffentlichen Verlautbarungen von Fraport-Mitarbeitern wurde dieser Anstieg in skandalöser Weise bagatellisiert, indem man für 2015 einen Rückgang der Stickoxid- und Partikelemissionen in der Rhein-Main-Region durch verbesserte Motorentechnik und die Modernisierung der privaten Heizungsanlagen prognostizierte.

Feinstaub und Luftschadstoffe sind zwischenzeitlich als Ursache für Allergien, Atemwegs- und Krebserkrankungen bekannt, so der Verein. Der Georisk-Umwelt-Index weise das Rhein-Main-Gebiet bereits jetzt als deutlich bis erheblich durch Feinstaub belastet aus. Zudem gebe es Anzeichen für einen Anstieg der Krebsrate in Gemeinden unterhalb der An- und Abflugrouten – das Kinderkrebsregister in Mainz verzeichne von 1980 bis 2003 einen Anstieg um 50 Prozent. Obwohl die seit 2005 geltende EU-Feinstaubrichtlinie entsprechende Schutzziele präzisiere, stellte sich in der Anhörung in Offenbach heraus, dass die vom Flughafen ausgehenden Emissionen, wegen Geldmangels, auch zukünftig nicht gemessen werden sollen.

Auch in den durch Gerichtsbeschluss zwangsweise offengelegten Behördenunterlagen zum Flughafenausbau fänden sich weitere "Hämmer". Das hessische Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG) führe in seiner Stellungnahme aus: "Es ist in dieser Stellungnahme nicht der Platz für umfassende lärmmedizinische Betrachtungen, denn diese werden bestimmt kompetent vom Hessischen Sozialministerium erfolgen." Die Stellungnahme des Sozialministeriums zum Thema "lärmmedizinische Auswirkungen" reduziere sich aber auf einen "Dreizeiler" mit einem knappen Verweis auf das Arbeitsschutzdezernat Frankfurt. Das Arbeitsschutzdezernat befasse sich aber mit Auswirkungen auf Arbeitstätten wie Ticona – der Gesundheitsschutz der Bevölkerung kommt in den betreffenden Stellungnahmen also überhaupt nicht vor. Auch vom Kultusministerium läge keine Stellungnahme vor, obwohl Schulen, Kindergärten und andere öffentliche Bildungseinrichtungen massiv betroffen sein werden. Diese Verhalten wird vom Verein, der sich laut Satzung dem Schutz der Umwelt und der Erhaltung von gesunden Lebensbedingungen sowie dem Schaffen von Umweltbewusstsein bei den Verantwortlichen in Wirtschaft, Verwaltung und Politik verpflichtet hat, als äußerst befremdlich empfunden. "Beim Verfahren für den Ausbau des Flughafens Berlin-Brandenburg-International ließ das zuständige Sozialministerium im Rahmen der Gesundheitsvorsorge eigene Gutachten zum Thema Lärm und Emissionen erstellen bzw. Gutachten der Antragstellerin validieren", so der Verein. "Aus Wiesbaden ist in dieser Hinsicht nichts zu vernehmen."

Daher fordert W.U.T. e.V. Sozialministerin Lautenschläger als Dienstherrin des Sozialministerium auf, ihren Dienstpflichten nachzukommen und für den Flughafenausbau unabhängige Gutachten zu den Themen "lärmmedizinische Auswirkungen" und "Schadstoffemissionen" erstellen oder die bestehenden Gutachten zumindest durch unabhängige Instanzen validieren zu lassen. Zudem erwartet der Verein, dass die Ministerin Hinweisen auf einen Anstieg der Krebsrate im Bereich der An- und Abflugrouten nachgehe. Da das Ministerium nicht einmal eine Eingangsbestätigung auf das erste Schreiben von Ende 2005 für notwendig erachtet habe, sei man nun gezwungen, das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen.

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Hessische Landesregierung PFV Landebahn Nordwest Gesund­heits­ge­fah­ren durch Schall Schadstoffbelastung

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