FRA-Forum: Unser Flughafen-Forum
HMWEVL: Verkehrsminister kündigt weitere Maßnahmen gegen Fluglärm an
Pressemitteilung des HMWEVL vom 21.10.2014
Von: @Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung <2014-10-21>
Am dritten Jahrestag der Eröffnung der Nordwest-Landebahn am Frankfurter Flughafen hat der hessische Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir weitere Maßnahmen gegen Fluglärm angekündigt.

Pressemitteilung des HMWEVL vom 21.10.2014/

Am dritten Jahrestag der Eröffnung der Nordwest-Landebahn am Frankfurter Flughafen hat der hessische Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir weitere Maßnahmen gegen Fluglärm angekündigt. „Wir werden nicht locker lassen und den Flughafenbetreiber Fraport, die Fluggesellschaften und die Deutsche Flugsicherung (DFS) weiter in die Pflicht nehmen. Das Ziel ist klar: Wir wollen den Flugverkehr Schritt für Schritt leiser machen“, sagte Al-Wazir am Dienstag. „Daran arbeite ich und daran werde ich mich auch messen lassen.“

Al-Wazir betonte, dass er die berechtigten Interessen der Anwohner auf mehr Lärmschutz noch stärker in den Blick nehmen werde als dies früher der Fall war. „Natürlich weiß ich um die hohe wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens mit seinen 78.000 Arbeitsplätzen. Der Flughafen ist mit seinen direkten Verbindungen in alle Welt zugleich ein wesentlicher Faktor für die wirtschaftliche Stärke Hessens. Die Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens muss deshalb erhalten werden“, so der Minister. „Aber ich kenne auch aus eigener Erfahrung die Belastungen, die mit einem solchen Luftverkehrsdrehkreuz mitten in einem Ballungsgebiet einhergehen. Mit der Allianz für Lärmschutz sind kurz nach der Eröffnung der Landebahn bereits eine ganze Reihe von lärmmindernden Maßnahmen entwickelt und umgesetzt worden. Aber ich will das weiter verbessern.“ Daher verstehe er seine Aufgabe als zuständiger Verkehrsminister nicht zuletzt darin, aus dem Ministerium heraus neue Vorschläge zu entwickeln und Impulse für mehr Lärmschutz zu geben.

Siebenstündige Lärmpausen

Beispielhaft nannte Al-Wazir die geplante Einführung siebenstündiger Lärmpausen, die den Menschen rund um den Flughafen – über das bestehende Nachtflugverbot hinaus - eine zusätzliche Stunde Ruhe ermöglichen sollen. „Natürlich wird dadurch kein Flugzeug weniger landen“, sagte Al-Wazir. Aber eine intelligente Bahnnutzung und Verteilung des Lärms könnten für eine spürbare Entlastung sorgen. „Welche massiven Auswirkungen Lärmverlagerungen im negativen Sinne haben können, wurde ja durch die Eröffnung der Nordwest-Landebahn offenkundig. Wir wollen es jetzt genau umgekehrt machen und die Menschen durch die zeitweise Bündelung von Lärm entlasten.“

Die veränderte Schwerpunktsetzung im Ministerium werde auch durch die Einrichtung einer neuen Stabsstelle für Fluglärmschutz zum 1. November deutlich. Innerhalb der Stabsstelle sollen verstärkt innovative Strategien und Konzepte im Bereich des Fluglärmschutzes entwickelt und Einzelmaßnahmen und Instrumenten im Bereich des Fluglärmschutzes analysiert und bewertet werden. Dazu zählen auch die Einführung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Lärmobergrenze und die Intensivierung des Lärmmonitorings. Al-Wazir: „Wir freuen uns, mit Regine Barth eine kompetente und seit vielen Jahren mit allen Fragen des Fluglärmschutzes betraute Expertin gewonnen zu haben.“ Regine Barth werde zugleich die Aufgaben der Fluglärmschutzbeauftragten übernehmen.

Spreizung der Lärmentgelte

Als wichtigen Hebel zur Lärmminderung am Frankfurter Flughafen nannte Al-Wazir eine weitere Spreizung der Lärmentgelte. „Das Prinzip ist ebenso einfach wie wirksam: Laute Flieger müssen für einen Start oder eine Landung in Frankfurt deutlich mehr zahlen als leisere Flugzeuge. Diese Entgelte wollen wir zusammen mit dem Flughafenbetreiber Fraport innerhalb des vorgegebenen Rechtsrahmens möglichst noch weiter spreizen und so erreichen, dass die Fluggesellschaften Frankfurt möglichst mit ihren leisesten Flugzeugen anfliegen“, so Al-Wazir. Besonders die Deutsche Lufthansa habe darauf bereits reagiert und in großem Umfang lautere Flugzeuge gegen lärmärmere ausgetauscht.

Al-Wazir verwies zugleich auf die zuletzt aufgestockte Forschungsförderung, zum Beispiel für noch leisere Anflugverfahren beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig. Ein Ergebnis sei der Einsatz von Wirbelgeneratoren, die die Geräuschentwicklung unter den Flügeln der A320-Flotten von Lufthansa und Air France maßgeblich reduzieren würden. "Es kommt jetzt darauf an, dass die Flugzeuge auch schnell umgerüstet werden", so Al-Wazir.

Satellitengestützte Präzisionsanflugverfahren

Erst im September sei zudem das satellitengestützte Präzisionsanflugverfahren „Ground Based Augmentation System“ (GBAS) offiziell in Betrieb genommenen worden. Al-Wazir: „Damit ist der Frankfurter Flughafen jetzt technisch für ein präziseres An- und Abfliegen ausgestattet. Anflüge sind dadurch technisch mit einem höheren Gleitwinkel möglich. Langfristig könnten damit auch Siedlungsschwerpunkte umflogen werden. Jetzt sind die Fluggesellschaften am Zug, Ihre Flugzeuge schnellstmöglich auf den technischen Stand zu bringen, um dieses Präzisionsverfahren auch in Frankfurt nutzen zu können“.

Bereits Ende Oktober werde zudem ein neues lärmminderndes Anflugverfahren in Frankfurt in den Probebetrieb gehen. Dabei werden die Flughöhen vor und auf dem ersten Teil des nördlichen Gegenanfluges ab dem 31. Oktober 2014 in einem Probebetrieb um rund 1.000 Fuß angehoben. Das sind etwa 300 m.

Anhebung der Gleitwinkel

Die Anhebung der Gleitwinkel beim Landen der Flugzeuge auf 3,2 Grad bei Anflügen auf die Landebahn Nordwest werde voraussichtlich im Dezember 2014 in den Regelbetrieb überführt werden. Das Bundesverkehrsministerium habe hierfür bereits eine Ausnahmegenehmigung erteilt. „Durch das steilere Anfliegen zur Landebahn Nordwest sind die Flugzeuge insgesamt etwas höher über der Bebauung, so dass weniger Lärm am Boden ankommt. Die Pilotphase war schon sehr vielversprechend. Diese Maßnahme funktioniert“, bilanzierte Al-Wazir.

„Beim Lärmschutz drehen wir derzeit an äußerst vielen Stellschrauben. Viele dieser Maßnahmen setzen direkt an der Quelle des Lärms an. Manche können auf einen Schlag eine spürbare Entlastung bringen, andere entfalten erst im Zusammenspiel ihre Wirkung“, so der Minister. Dort, wo die Belastung selbst nach Realisierung aktiver Schallschutzmaßnahmen noch zu hoch sei, müsse der Schutz durch passive (bauliche) Maßnahmen ergänzt werden und die betroffenen Kommunen müssen einen Nachteilsausgleich bekommen. Ein wichtiger Finanzierungsbaustein hierzu sei der Regionalfonds für den Frankfurter Flughafen, der ein Mittelvolumen von ca. 265 Mio. Euro umfasst. „Diese Mittel wollen wir im Bereich der nachhaltigen Kommunalentwicklung verstetigen“, sagte Al-Wazir.

Themen hierzuAssciated topics:

Wirtschaftsministerium, hessisches Fluglärmschutz Fluglärm­schutz­be­auf­trag­ter Aktiver Schallschutz

Das könnte Sie auch interessierenFurther readings:
Der zweite Versuch zur Novellierung des Fluglärmgesetzes
Infos, Kommentare und Material zu einem Vorhaben, das erneut gescheitert ist
Von: @cf <2005-06-05>
Die Bundesregierung startete in 2004 einen weiteren Versuch zur Novellierung des völlig veralteten Fluglärmgesetzes. Doch der verwässerte Kompromiss, auf den man sich im Mai 2005 schließlich einigte, fiel der vorgezogenen Neuwahl des Bundestags zum Opfer.   Mehr»
Nachts muss Ruhe sein - Wehren Sie sich gegen die geplante Änderung des § 29 b LuftVG!
Von: @Initiative Zukunft Rhein Main <2010-06-30>
Die Bundesregierung plant eine Änderung des Luftverkehrsgesetzes, mit der der Schutz vor nächtlichem Fluglärm aufgeweicht würde. Helfen Sie mit, das zu verhindern - protestieren Sie bei Ihren Bundestagsabgeordneten!    Mehr»
Diffamierung statt Dialog
Fraport beschimpft Bürgerinitiative als uninformiert
Von: @(IGEL) <2002-12-11>
   Mehr»
BFV kritisiert Konfliktkurs der Landesregierung beim Flughafenausbau
Pressemitteilung vom 23.09.2003
Von: @Bundesvereinigung gegen Fluglärm <2003-09-27>
   Mehr»
BVF: Entwurf für neues Fluglärmgesetz keine Lösung
Pressemitteilung vom 25.6.2004
Von: @Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF) <2004-06-25>
   Mehr»
Bürgerinitiativen demonstrierten für ein besseres Fluglärmgesetz
Bericht von der Demo aus Bonn
Von: @cf <2004-09-14>
Am Montag, den 13.9.2004 demonstrierten Bürgerinitiativen aus ganz Deutschland vor dem Umweltministerium in Bonn für ein besseres Fluglärmgesetz. Auch das Bündnis der Bürgerinitiativen war dabei.   Mehr»
BUND: Fraport AG fühlt sich im Lärmschutz nicht an die Mediation gebunden
Pressemitteilung vom 10.09 2004
Von: @BUND <2004-09-10>
   Mehr»
VCD: Vorrang für den Schutz vor Fluglärm - für ein besseres Fluglärmgesetz
Pressemitteilung vom 28.10.2004
Von: @Verkehrsclub Deutschland (VCD) <2004-10-28>
   Mehr»
BBI fordert: Entwurf für neues Fluglärmgesetz so nicht verabschieden!
Brief an die Abgordneten vom 11.06.2006
Von: @Bündnis der Bürgerinitiativen (BBI) <2006-06-13>
Das Bündnis der Bürgerinitiativen bittet die Bundestags-Abgeordneten in einem Brief, den vorliegenden Entwurf für ein neues Fluglärmgesetz abzulehnen.    Mehr»
Lärmschützer verzichten auf Forderung nach 100/100-Regel
... aber ist ein Kompromiss bei der Fluglärmberechnung wirklich akzeptabel?
Von: @-<[ @ufgeflogen ]>- <2006-06-26>
   Mehr»
Wahrscheinlich wenig Verbesserungen beim Fluglärmgesetz
Vorschläge aus Rhein-Main-Region wurden offenbar nicht berücksichtigt
Von: @-&lt;[ @ufgeflogen ]&gt;- <2006-09-20>
Die Überarbeitung des Entwurfs für ein neues Fluglärmgesetz wird wohl für die Betroffenen keine großen Verbesserungen bringen. Das erfuhren Kommunalpolitiker vom umweltpolitischen Sprecher der CDU-Fraktion   Mehr»
Bundestag beschließt neues Fluglärmgesetz
Die Flughäfen sind zufrieden - die Betroffenen nicht
Von: @cf <2006-12-15>
Der Bundestag hat am 14.12.2006 das neue Fluglärmgesetz beschlossen. Doch das Ziel, den Schutz der Betroffenen vor Fluglärm deutlich zu verbessern, wurde verfehlt   Mehr»
EUGH: Grundrechte rechtfertigen Maßnahmen zum Lärmschutz an Flughäfen
Pressemitteilung des Gerichts der Europäischen Union vom 17.02.2011
Von: @Gerichtshof der Europäischen Union <2011-02-17>
Nach Ansicht des General­anwalts Cruz Villalón können die Mitglied­staaten Maß­nahmen ergreifen, um in städtischen Gebieten in der Nähe von Flug­häfen das Über­schreiten von Grenz­werten für den Lärm­pegel am Boden zu ahnden.   Mehr»
Neue Lärmschutzverordnung für Frankfurter Flughafen vorgestellt
Von: @cf <2011-06-21>
Das HMWVL hat den Entwurf der neuen Lärmschutz­verordnung für den Frankfurter Flughafen und Karten mit den Lärm­schutz­bereichen veröffentlicht.   Mehr»
Fluglärmkommission beschließt Forderungen zum passiven Schallschutz
Von: @cf <2011-05-25>
Die Fluglärmkommission hat die Landesregierung aufgefordert, die Lärmschutz­bereiche festzulegen und Forderungen zum passiven Schallschutz beschlossen.    Mehr»
Petition "Besserer Schutz vor Fluglärmbelastung"
Von: @cf <2011-11-04>
Erinnerung: * Petition beim Hessischen Landtag zum besseren Schutz vor Fluglärm * mitzeichnen - noch bis 10. Dezember    Mehr»
BVF: Lärmschutzverordnung bietet kaum Schutz für Betroffene
Pressemitteilung vom 27.09.2011
Von: @Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF) <2011-09-27>
Die Lärmschutz­verordnung ist nach Bewertung der Bundes­vereinigung gegen Fluglärm eine Täuschung der Bürgerinnen und Bürger in den Flugschneisen.   Mehr»
Infor­ma­tio­­nen zum Schall­schutz­pro­gramm
Von: @Redaktion <2011-10-15>
Wer hat An­spruch auf pas­si­ven Schall­schutz? Wie muss der An­trag ge­stellt wer­den? Hier fin­den Sie die nö­ti­gen In­for­ma­tio­nen.   Mehr»
RP Darmstadt: Info zu baulichen Schallschutzmaßnahmen
Pressemitteilung vom 26.01.2012
Von: @Regierungsprädidium Darmstadt <2012-01-26>
Haben Sie Anspruch auf bauliche Schallschutzmaßnahmen? Das RP Darmstadt ermöglicht direkten Zugriff auf Informationen durch den Hessenviewer.   Mehr»
„Ohrenstöpsel statt Lärmschutz“
Will und Astheimer kritisieren Fraport und Landesregierung
Pressemitteilung vom 01.03.2012
Von: @Kreis Gross-Gerau <2012-03-01>
„Zu spät, zu wenig, zu unwirksam“: Landrat Thomas Will und Erster Kreisbeigeordneter Walter Astheimer üben scharfe Kritik am sogenannten „Maßnahme-Paket gegen Fluglärm“ der Hessischen Landesregierung und der Flugverkehrswirtschaft.   Mehr»
Über 13 000 Stellungnahmen zum Lärmaktionsplan Flughafen Frankfurt/Main
Pressemitteilung vom 26.10.2012
Von: @Regierungsprädidium Darmstadt <2012-10-26>
Auf großes Interesse der Bevölkerung ist der vom Regierungs­präsidium Darmstadt erarbeitete Entwurf des Lärm­aktionsplans für den Flug­hafen Frankfurt/Main gestoßen.    Mehr»
Landesregierung stellt Lärmschutzpaket vor
Von: @cf <2012-02-29>
Die Landesregierung und die Luftverkehrs­branche haben auf dem "3. Fluglärmgipfel" ihr Maßnahmen­paket vorgestellt. Die Begeisterung der Betroffenen hält sich in Grenzen   Mehr»
ZRM: "In der Region muss es leiser werden !"
Pressemitteilung vom 13.12.2012
Von: @Initiative Zukunft Rhein-Main <2012-12-13>
Die Initiative Zukunft Rhein-Main ZRM will ein eigenes "Regionales Lärm­schutz­konzept" mit Mindest­anforde­rungen für einen verbind­lichen Lärm­schutz vorlegen.   Mehr»
Die Bildrechte werden in der Online-Version angegeben.For copyright notice look at the online version.

Bildrechte zu den in diese Datei eingebundenen Bild-Dateien:

Hinweise:
1. Die Bilder sind in der Reihenfolge ihres ersten Auftretens (im Quelltext dieser Seite) angeordnet.
2. Beim Anklicken eines der nachfolgenden Bezeichnungen, wird das zugehörige Bild angezeigt.
3, Die Bildrechte-Liste wird normalerweise nicht mitgedruckt,
4. Bildname und Rechteinhaber sind jeweils im Dateinamen des Bildes enthalten.